Dienstag, 22. Mai 2018
The Commuter
Michael MacCauley lässt sich auf ein verhängnisvolles Angebot der Fremden Joanna ein.
© StudioCanal/Jay Maidment

Seit zehn Jahren pendelt der Versicherungsmakler Michael MacCauley jeden Tag aus seinem beschaulichen Vorort nach Manhattan und zurück. Doch an diesem Tag ist alles anders. Erst wird er entlassen und dann setzt sich die mysteriöse Fremde Joanna zu ihm und verspricht ihm 100.000 Dollar, wenn er für sie einen ganz bestimmten Passagier findet, der etwas besonders Wertvolles transportiert.

Michael erhält nur zwei Hinweise - einen falschen Namen und den Zielbahnhof des Unbekannten. Als er zögert, macht Joanna ihm unmissverständlich klar: Sie hat nicht nur das Leben der Passagiere in ihrer Hand, sondern auch das von Michaels Familie. Michael ist Teil einer Verschwörung geworden. Er kann nur mitspielen oder einen Ausweg finden – außerdem bleiben ihm nur wenige Stopps Zeit.

»What kind of person are you?«

Nach Unknown Identity, Non-Stop (2014) und Run all Night (2015) ist der explosive Thriller mittlerweile das vierte Projekt, das Liam Neeson und Regisseur Jaume Collet-Serra zusammenführte. »The Commuter stellt dem Zuschauer die Frage, ob er für viel Geld etwas tun würde, ohne die tatsächlichen Konsequenzen genau abwägen zu können«, beschreibt der Regisseur den moralischen Knackpunkt der Geschichte. »Das ist die zentrale Frage, mit der unsere Hauptfigur konfrontiert wird – ein 60-jähriger Mann, der soeben gefeuert wurde, und bis zum Hals in Schulden steckt. Denke ich in erster Linie nur an mich selbst oder wäge ich ab, welche möglichen moralischen Konsequenzen mein Handeln für andere haben könnte?«

Liam Neeson reizte, dass der Film die Geschichte nahezu in Echtzeit erzählt: »Der Zuschauer ist nah dran an dem Entscheidungsprozess und der schrittweisen Identifizierung desjenigen, der hinter dieser Verschwörung steckt. Mit jedem Halt des Zuges, mit neuen Passagieren und Hinweisen, wird kontinuierlich das Gefahrenpotenzial und damit die Spannung gesteigert. Wir stehen ganz in der Tradition temporeicher Psychothriller wie Hitchcocks Der Fremde im Zug oder Der unsichtbare Dritte

»Next time I'm taking the bus.«

Byron Willinger und Philip de Blasi vermischen altbekannte Krimielemente zu einem zeitgemäßen Thriller, der sich nicht verstecken muss. Paul Cameron peppt das Ganze mit gelungenen Einstellungen auf, vor allem mit der Eröffnungssequenz, in der Michaels Alltagstrott sichtbar gemacht wird, indem dieser durch die Bahnhofshalle geht und sich währenddessen lediglich Kleidung, Wetter und Hintergründe im Zeitraffer ändern.

»Die Szenen verschwimmen ineinander und geben dem Zuschauer das Gefühl, als hätten sie ihn ein Jahr lang bei seinen Fahrten begleitet. Auf diese Weise kann sich der Zuschauer in den Rhythmus seiner Routine einfühlen«, erläutert Jaume Collet-Serra. Auch eine „Kamerafahrt“ durch den Zug (bei geschlossenen Durchgangstüren) ist ein visueller Höhepunkt, der an die exzessiv eingesetzten Geschwister aus Ohne Limit erinnert.

Auch wenn manche technischen Details drehbuchgerecht zusammengeschustert erscheinen, um die Spannung zu erhöhen, oder damit die Handlung passt, Vera Farmiga noch ein wenig zu sehr im Norma-Bates-Modus agiert und man am Ende einen 50/50-Joker setzen muss, wer denn nun der Strippenzieher sei, ist The Commuter doch ein recht spannender Geselle für nervenkitzlige Zwischenspiele.

Liam Neeson ist zwar schon in die Jahre gekommen, kann aber trotzdem in seiner Heldenrolle überzeugen, was davon zeugt, dass er mit Leib und Seele bei der Sache ist. Und solange er noch Regisseure und Produzenten findet, die ihn als Actionhelden auf die Leinwand bringen wollen, er vor allem jedoch das Publikum damit überzeugen kann, steht einem weiteren Actioneinsatz nichts entgegen. ■ mz

24. Januar 2018

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The Commuter
Der Fremde im Zug
Der unsichtbare Dritte
Ohne Limit



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