Sonntag, 20. Mai 2018
Der dunkle Turm
The dark Tower
Jake Chambers und Roland Deschain
© Sony Pictures

Fans von Stephen Kings Büchersage um den dunklen Turm, der die Parallelwelten im Gleichgewicht und voneinander getrennt hält, haben ihre Erwartungen hochgeschraubt, doch ihre Befürchtungen haben sich, leider wie erwartet, erfüllt: Die 8 Romane sind und bleiben unverfilmbar - zumindest als Kinofilm. Da würde die Laufzeit einfach nicht ausreichen. Dass Ron Howard, der das Filmprojekt zuletzt anvisierte, nun doch den Regiestuhl Nikolaj Arcel überließ, der zuletzt 2012 mit Die Königin und der Leibarzt mit Alicia Vikander und Mads Mikkelsen den Silbernen Bären gewann und Oscar®- und Golden Globe®-Nominierungen als bester fremdsprachiger Film erhielt, zeugt von bestehenden Ängsten, die sich letztlich doch bewahrheiten sollten.

Was Nikolaj Arcel mit seinen drei Mitautoren aus Stephen Kings Epos gemacht hat, ist weder Vorgeschichte oder Fortsetzung, noch ist es eine Nacherzählung der Geschichte um den Revolvermann Roland Deschain. »Wie präsentiert man einem Kinopublikum diesen Stoff, damit es ihn versteht und sich gleich mittendrin fühlt, egal, ob man die Bücher gelesen hat oder nicht?«, fragt Stephen King und beantwortet diese Frage für die Drehbuchautoren. »Es ist etwas Altsprachiges - man nennt es „in medias res“, was soviel wie „in der Mitte der Geschichte beginnen“ bedeutet. Man fängt in der Mitte an und klärt dann jeden auf, und von dem Punkt an geht es wie ein Güterzug voran.«

»I do not kill with my gun.
He who kills with his gun has forgotten the face of his father.
I kill with my heart.«

Was der Meister des literarischen Horrors jedoch nicht in Betracht gezogen hat, ist die mangelnde Aufgeschlossenheit seiner Leser. Hinzu kommt noch die filmische Umsetzung, die Nichtlesern Kopfschmerzen verursacht. Der Film ist visuell überbordend und eindrucksvoll inszeniert, das kann man nicht leugnen. Auch sind die Schauspieler, allen voran der junge Hauptdarsteller Tom Taylor, der einen ganz vernünftigen Eindruck als Jake Chambers hinterlässt, nicht schlecht in dem, was sie tun. Doch das Drehbuch ist einfach zu geradlinig und spannungsarm!

Das Prinzip geht zwar auf, man gelangt mit Jake hinein in das Multiversum von Stephen King, doch es fehlen ein paar Haken, an denen sich der Zuschauende festhalten kann. In nur 95 Minuten (mit Abspann!) wird man in fremde Welten enführt, bekommt x Figuren und Monster serviert, während der Ton eine einzige Geräuschkulisse zu sein scheint, bei der man am liebsten einnicken will, wäre da nicht der Drang, dran zu bleiben, um den heiß gestrickten Faden nicht zu verlieren. Man kommt seltener ins Staunen, weil der der Film einfach keine Zeit dafür übrig hat. Zack kommt wieder ein Kampf oder wird ein Stück der Geschichte bekanntgegeben, das man registrieren muss, zack, nächste Einstellung...

Wenn man schon die Geschichte neu erzählt, hätte man sich doch ebenso viel Zeit lassen können wie Peter Jackson mit seinem Herr der Ringe, in Ruhe die Figuren und den Handlungsrahmen einführen und dann die Spannung weiter aufbauen. Immerhin war Stephen King bei der Entstehung seiner Sage u.a. von Tolkiens Werk beeinflusst, weshalb er Rolands Heimat auch „Mittwelt“(Mid-World) genannt hat. Vielleicht liegt es auch am Erfahrungsmangel des dänischen Kunsthaus-Regisseurs, dass der Film nicht zündet.

Auch die beiden Stars können ihr Talent nicht ganz so freisetzen wie sie es gewöhnt sind. Idris Elba ist die coolste Sau des britischen Fernsehens und wirkt hier etwas unterfordert, auch wenn sein Nachladen der Revolvertrommeln in Sekundenschnelle mit nur einer Hand optisch zu einer der sehendswürdigsten Sequenzen des Films gehört, während Matthew McConaughey an der Wall Street falsch abgebogen zu sein scheint, aber dennoch ein wenig Schärfe als Bösewicht zeigen kann. Doch durch die Ähnlichkeit der Fähigkeiten des „Manns in Schwarz“ mit der von Kilgrave in Marvels Jessica Jones wirkt der Schauspieler, der sich stets körperlich wie seelisch in seine Rolle hineinversetzt, im Gegensatz zu David Tennant weniger einschüchternd oder differenziert. Zudem tötet dieser auch noch Jakes bezaubernde und mitfühlende Mutter, die man schon in die Kategorie MILF einordnen kann, und somit die letzte sympathische Figur neben den beiden Hauptfiguren Jake und Roland, und das einfach so nebenbei und plötzlich.

Ron Howard hat zumindest die Produktion mit übernommen, was jedoch dem Endprodukt nicht weiterhilft. Das Ende des Films wirkt zudem wie ein Pilotfilm zu einer Serie, die dann auch noch geplant ist und mit denselben Schauspielern realisisert werden soll. Betrachtet man den Film als Pilotfolge einer Serie, könnte das schon ziehen, doch für eine Kinoauswertung ist der Film einfach nicht das Richtige. Immerhin haben es die Filmemacher geschafft, zahlreiche Querverweise auf Stephen Kings Geschichten einzubauen, was jedoch bei weitem nicht reicht, um den Film unbedingt weiter zu empfehlen. ■ mz

15. August 2017

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